Gartenbau Rülcker – Zur Geschichte eines Dresdner Gartenbaubetriebes

»Es war schon eine mutige Tat, als sich im Jahre 1864, also vor 150 Jahren, ein 24jähriger lediger Kunstgärtner – so damals die Berufsbezeichnung – entschloss, selbständig zu werden und eine Gärtnerei zu gründen. Sein Vater übrigens war Braumeister in Dresden. Dieser junge Kunstgärtner war unser Urgroßvater Carl Julius Rülcker. Mit seiner damaligen Entscheidung hat er den Grundstein gelegt für eine Entwicklung, die bis zum heutigen Tage andauert. Wir haben ihm viel zu verdanken.« Dies waren Worte des Geschäftsführers Raimund Rülcker zur Feier des 140. Betriebsjubiläums im Jahre 2004. Der Anfang war bescheiden. Carl Julius Rülcker übernahm eine Pachtgärtnerei im Gelände des Prinz-Georg-Gartens auf der Zinzendorfstraße. Zur gleichen Zeit wurde auf dem Georgplatz ein Blumengeschäft eröffnet. 1872 siedelte er nach Strehlen über, zunächst auf die Felder an der Dohnaer Straße. Bereits 1873 beteiligte sich der Betrieb als Aussteller auf der »Dritten temporären Gartenbau-Ausstellung« in Dresden und am Gärtnerkongreß in Wien. Auch die späteren Gartenbau-Ausstellungen in Dresden 1887, 1907, 1936 und alle Blumenschauen nach 1945 in Dresden, Leipzig und Erfurt wurden mit Erfolg beschickt. Charakteristisch für die Firma war bereits sehr früh der Anbau von Treibflieder. Um 1900 umfasste der Bestand ca. 15.000 einjährige Treibflieder-Veredlungen. Im Jahre 1878 verlieh König Albert von Sachsen dem »Kunst-und Handelsgärtner Carl Rülcker« den Titel »Königlicher Hoflieferant«. 1889 konnte Land auf der Reicker Straße erworben werden, wobei der Betrieb auf der Dohnaer Straße weitergeführt und erst in den 70er Jahren des 20. Jhdts. aufgegeben wurde.

Nach dem Tode von Carl Julius 1908 führte sein Sohn Ernst Rülcker den Betrieb des Vaters weiter und baute ihn trotz Krieg und Weltwirtschaftskrise weiter aus. Schwerpunkte der Produktion waren zu dieser Zeit: Chrysanthemen, Treibflieder, Lorraine-Begonien und Cyclamen., dazu die Pflanzendekoration zu öffentlichen Anlässen, z.B. der alljährlich stattfindende Opernball. Im Jahre 1944 ging die Betriebsleitung an seinen Sohn Karl Rülcker über. Die letzten Kriegs-jahre, der Angriff auf Dresden (mit starken Spreng- und Brandbombenschäden im Betriebsgeläde) sowie auch die unmittelbare Zeit danach waren wirtschaftlich sehr problematisch. Aus dem ursprünglichen Zierpflanzenbetrieb wurde, der Situation geschuldet, ein Gemüsebetrieb mit harten staatlichen Anbau- und Abliefer-Vorgaben.

Im Mai 1961 wurde der Betrieb Rülcker unter staatlichen Regulierungsmaßnahmen einer gärtnerischen Produktionsgenossenschaft angeschlossen. Dies war dennoch eine Zeit vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den zusammengeführten Betrieben.

 

Nach 30 Jahren genossenschaftlicher Tätigkeit wurde der Betrieb 1991 wieder eigenständig, und als GmbH von den Brüdern Raimund und Ulrich Rülcker in 4.Generation übernommen. Seitdem konnten wesentliche Investitionen vorgenommen werden: Umstellung der Heizung von Festbrennstoffen auf Leichtöl, Klimasteuerung durch Klimacomputer, Einbau neuer energiesparender Gewächshausschirme Bau einer Regenwassersammelanlage mit einem Speichervolumen von 1.150 Mio. L

Nach deutlichen Kostensteigerungen der Heizölpreise entschlossen wir uns erneut zur Umstellung der Wärmeversorgung. Die gesamte Wärmeversorgung wurde auf erneuerbare Energien durch Nutzung der Abwärme von Blockheizkraftwerken umgestellt.

Zudem wurde im Jahre 2012 eine Solaranlage auf unseren Hallen und Gebäuden installiert. Dieser Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist und dient ebenfalls zur Verbesserung der Stromgewinnung in Deutschland.

Zu den traditionell gewachsenen Schwerpunkten des Gartenbau Rülcker sind seit 1991 in zunehmendem Maße einige neue Akzente hinzugetreten, die heute insgesamt das betriebliche Profil prägen:

  • Produktion von Topfpflanzen, Frühjahrsblühern, Chrysanthemen, Sommerblumen und Treibflieder mit einem besonderen Gewicht auf Ausbau und Erweiterung des Beet- und Balkonpflanzensortimentes
  • Verkauf von Topfpflanzen und Schnittblumen, nach Möglichkeit aus eigener Produktion
  • Moderne Fest- und Trauerfloristik
  • Pflanzendekorationen für Anlässe jeglicher Art und Ausgestaltung von Feiern und Festveranstaltungen, Messen und Kongressen
  • Pflanzenverleih
  • Innenraumbegrünung
  • Pflanzenüberwinterungs-Service

Der Betrieb ist Mitglied des Landesverbandes Gartenbau Sachsen und beteiligt sich seit 1991 sehr erfolgreich an Landes- und Bundesgartenschauen.

Zu dem Unternehmen werden zwei Floristik Filialen in Dresdner Handelseinrichtungen betrieben.

Zum 01.01.2013 ist Thomas Schrön als Geschäftsführer des Gartenbau Rülckers berufen worden. Inhaber sind weiterhin die Söhne der Familie Rülcker.